Hin- und Hergerissen

30.03.2012

Heute war mein letzter Arbeitstag. Morgen packe ich meine Sachen (habe gerade mehr als mein halbes Körpergewicht auf Koffer und Handgepäck verteilt und fürchte ich habe noch die Hälfte vergessen) , übermorgen fliege ich nach Hause.

Selten ging ein halbes Jahr so schnell vorbei. Ich habe tolle Menschen kennengelernt, Freundschaften geschlossen und die letzten Tage beim Abschiednehmen vor Rührung fast ein bisschen geweint. Ich werde Großbritannien vermissen. Die langen Öffnungszeiten, die Pubs, die Clubs, Cider, das Getümmel, die Sprache.

Ich freue mich aber auch auf Deutschland. Auf vernünftiges Brot, Gemüse das wie Gemüse schmeckt, Brezen und die bayrische Herzlichkeit. Das Kleinstadtleben. Meine Freunde, Familie, Bekannte. Eine 2-Zimmer-Wohnung die nicht viel mehr kostet als mein winziges Zimmer hier.

Trotzdem. Abschied nehmen ist schwer. Ich fühle mich heute ganz komisch, denn alles was ich mache, mache ich zum letzten Mal. Das letzte Mal den Bus nehmen, das letzte Mal arbeiten, sich von allen verabschieden und auf nimmer Wiedersehen verschwinden.

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It’s raining again

15.03.2012

“Oh no, so you’re leaving without having experienced English summer! … Well, we only have 2 weeks anyway, so you don’t miss a lot.”

Das englische Wetter ist besser als sein Ruf. Das gleich mal vorweg. Ich hatte 5 Monate ausgezeichnetes Wetter – das heißt, so ausgezeichnet wie es im Winter sein kann. 28 Grad bei meiner Ankunft Ende September, zweimal Schnee, vielleicht 5 richtige Regentage. Die Niederschlagsrate in Rom ist höher als in London, nur mal so by the way. Das einzige Fatale hier ist der kalte Wind, der eigentlich immer weht. Mal stärker, mal schwächer, aber immer eisig, und lässt einen andauernd frieren. Aber davon abgesehen war das Wetter durchgehend besser als in Deutschland.

Aber der März. Der lässt es jetzt so richtig krachen und holt alles nach was ich bisher verpasst habe. Regen, Nebel, Regen und Nebel, Wind Wind Wind. Die Tage werden deutlich länger und es wird nachmittags auch richtig warm, aber früh morgens ist es eisig und man sieht keine 50 Meter weit.

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Wenn ich gefragt werde, wie mir mein Praktikum gefällt,…

31.01.2012

Wenn ich gefragt werde, wie mir mein Praktikum gefällt, sage ich sehr gut. Was ich nicht sage ist, dass ich da eigentlich für Sachen bezahlt werde, die ich auch privat gern mache. Schreiben. Twittern. Facebooken. Dazu kommen noch Übersetzungen, die ich schockierenderweise inzwischen auch ganz gern mache (danke Anglistik, du hast mich zum Freak gemacht). Und wenn ich all das nicht mache, pflege ich Daten ins System ein oder sowas in der Art, was langweilig klingt aber eine ganz angenehme Abwechslung ist.

Und dann kommen immer wieder andere Sachen, die ausgiebige Recherche erfordern, oder besondere Kenntnisse. Letzten Monat habe ich beispielsweise Mal von Portugiesisch nach Englisch übersetzt. Nicht dass ich das könnte, aber ich bin lernfähig ;) Ich schreibe lange Texte, kurze Texte, Nachrichten, Tweets, Statusupdates, Newsletter, lese einen ganzen Tag nur über Marketingstrategien, und ich mache eigentlich nie mehr als 3-4 Tage hintereinander das gleiche  :like:

Meine Arbeitszeit ist geringfügig flexibel, d.h. ich arbeite eigentlich von 9:30 bis 17:30 Uhr, fange aber zwischen 9 und halb 10 an, je nachdem wann ich da bin, und gehe dann dementsprechend ein bisschen früher. Dazu kommt noch die Fahrt, also bin in i.d.R. von 8 bis halb 7 außer Haus.

Inzwischen komme ich auch mit Arbeiten an sich recht gut klar. Was ich am Studium geliebt habe, war, dass ich auch unter der Woche irgendwann Zeit für Termine hatte. Ich muss zum Friseur? Ok, Dienstag hab ich nachmittags keine Uni. Ich muss zum Zahnarzt? Passt auch, Freitag hab ich frei. Wenn man arbeitet, geht sowas halt gar nicht, und die meisten Geschäfte bei mir in der Umgebung (abgesehen vom Supermarkt) haben noch nicht auf, wenn ich in die Arbeit fahre, und schon zu wenn ich wieder komme. Da bleibt nur das Wochenende. Und auch die Müdigkeit bekomme ich gut in den Griff. In den ersten 2 Wochen war ich jeden Abend völlig geschafft und musste um 9 ins Bett. Jetzt bleib ich viel zu lang auf und bin dann am nächsten Tag völlig erledigt ;)

Schön ist, dass ich meinen Job offensichtlich so gut mache, dass sie mich gern hier behalten würden. Das ist für mich natürlich momentan keine Option, ich will erst mal mein Studium fertig machen. Aber es tut gut, zu wissen, dass ich meine Arbeit so zuverlässig verrichte, dass man bereits Ergebnisse sieht und dass ich quasi unentbehrlich bin. Ich bin in dem Sinne auch keine Praktikantin – ich lerne weniger als dass ich das anwende, was ich schon weiß, oder was ich mir in den letzten Monaten selbst beigebracht habe. Aber es macht wirklich Spaß und es ist ein bisschen schockierend, dass zwei Drittel schon wieder rum sind! Wer hätte das gedacht, dass die Zeit so rasend schnell vergeht!

(Und wenn mir in Zukunft von einem Taxifahrer gesagt wird, dass ich mit Anglistik eh keinen Job finden werde, weiß ich es jetzt definitiv besser)

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London rocks

16.01.2012

Musicals sind in London auch so eine Sache, die man einfach machen muss. Für Leute, die auf Musicals stehen, ist das hier großartig, denn die Auswahl ist grandios und die Tickets sind im Vergleich zu Deutschland sehr günstig. Vom Leicester Square über Piccadilly Circus zur Tottenham Court Road reiht sich ein Theater neben das andere und die kleinen Box Offices verkaufen Restkarten wenige Stunden vor der Vorstellung besonders billig.

Samstag Abend war ich mit Freundinnen in We Will Rock You im Dominion Theatre. Rock ist eigentlich nicht so meins, aber es war wirklich richtig gut! Kann ich nur empfehlen. Interessant finde ich auch, dass hier durch die Fülle des Angebotes Musicals (und Theater, Oper, etc.) eigentlich fast so gewöhnlich sind wie Kino. Man braucht sich nicht schick machen, man muss nicht lange im Vorfeld Karten kaufen, es ist kein Großereignis wie es das bei mir in Deutschland immer war. Da musste ich auch immer weit fahren, somit braucht das dementsprechend viel Planung und teuer ist es auch. Hier in London hingegen ist das ganz ungezwungen und spontan, die Theatersäle sind nicht überwältigend groß, die Stimmen der Sänger hingegen schon. Ich rate jedem, das Angebot in London wahrzunehmen!

Noch ein Tipp zum Schluss: Über lastminute.com kann man im Vorfeld günstig Karten kaufen, teilweise sogar billiger als am Veranstaltungstag am Box Office (vergleichen lohnt sich!).

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Was der Bauer nicht kennt…

12.01.2012

Zugegeben, man isst hier ja komische Sachen. Also ich nicht unbedingt, weil ich ein Feigling bin. Außer heute Mittag, beim Team Lunch, als ich einfach mutig das “Special” bestellt habe, bei dem ich in der genuschelten Erklärung der Bedienung nur chicken und rocket rausgehört habe und mir dachte Rucola und Hähnchen kann ja nicht so verkehrt sein (oder war es Raketenhähnchen?)… Jedenfalls war das tatsächlich nicht übel. Genauso wie der Christmas Pudding (auf dem Bild rechts) – ja ich weiß, ein Pudding ist das nicht, aber hier ist ja fast nichts Pudding was so heißt. Davon kann mein Papa auch ein Lied singen (wer sich das antun und herausfinden möchte, was Black Pudding ist, den er zum Frühstück (!) hatte, hier entlang).

Ganz interessant finde ich dabei auch folgenden Artikel, der ein paar der seltsamsten Inselspeisen vorstellt (mit Rezepten zum Nachkochen – na dann guten Appetit!):

A quick guide to quirky named British foods

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